Wiener Gesundheitsziele 2030
Wiener Gesundheitsziele 2030
11 Wiener Gesundheitsziele
1. Sicherstellung einer bedarfsgerechten und gleichwertigen medizinischen Versorgung
Die Wiener Bevölkerung hat – unabhängig von Wohnort, sozialem Status oder Herkunft – Anspruch auf eine flächendeckende und dem Stand der Wissenschaft entsprechende medizinische Versorgung. Ziel ist die Sicherung der wohnortnahen, bedarfsgerechten und sektorenübergreifenden Versorgung, angepasst an die demografische, epidemiologische und soziale Struktur Wiens. Dabei wird u.a. das öffentliche Gesundheitswesen durch Angebote für besonders vulnerable und spezielle Zielgruppen weiterentwickelt (z.B. Kindergesundheitszentren, psychosoziale Versorgungsangebote für Kinder und Erwachsene sowie fachmedizinische Zentren, z. B. für Gynäkologie, Diabetes).
2. Niederschwelliger und gleichberechtigter Zugang zu Gesundheitsförderung, Prävention und Versorgung für alle Wiener*innen
Für alle Wiener Bürger*innen ist der Zugang zum Gesundheitssystem niederschwellig, diskriminierungsfrei und nachvollziehbar strukturiert, um die gesundheitliche Chancengerechtigkeit sicherzustellen. Bei präventiven Leistungen, Früherkennung oder Erkrankung besteht Anspruch auf eine gleichwertige, qualitativ hochwertige und leitlinienkonforme Beratung und Behandlung – unabhängig von Versicherungsstatus oder Versorgungsbereich. Angebote der Gesundheitsförderung ergänzen die Gesundheitslandschaft, indem die Gesundheit der Wiener*innen von Beginn an und in allen Lebensphasen gefördert und gestärkt wird.
3. Stärkung der Patient*innenorientierung und Selbstbestimmung
Das Wiener Gesundheitssystem stellt die Bedürfnisse, Werte und Entscheidungen der Patient*innen in den Mittelpunkt. Ziel ist eine partizipative Versorgung, in der Bürger*innen und Patient*innen befähigt werden, informierte Entscheidungen zu treffen. Gesundheits- und Ernährungskompetenz sowie digitale Selbstbestimmungsinstrumente (z. B. ELGA, Patientenverfügung) werden systematisch gestärkt.
4. Sicherung des evidenzbasierten medizinischen Fortschritts für Wien
Innovative, wissenschaftlich gesicherte Methoden und digitale Lösungen werden zielgerichtet eingeführt, bewertet und verbreitet, um die Qualität und Effizienz der Versorgung zu verbessern und ein zukunftsfähiges Gesundheitswesen sicherzustellen. Wien positioniert sich als Vorreiterin bei der kontrollierten Integration medizinischer Innovationen und der strukturierten Nutzung von Versorgungsforschung und Gesundheitsdaten. Auch KI-Projekte und deren weitere Entwicklung sollen forciert werden, um komplexe Datenanalysen durchzuführen, Risiken frühzeitig zu erkennen und das medizinische Personal bei Entscheidungsprozessen zu unterstützen.
5. Sicherung und Weiterentwicklung fachlicher Expertise des Gesundheitspersonals
Alle im Wiener Gesundheitssystem tätigen medizinischen Fachkräfte verfügen über die notwendige Qualifikation und ausreichende praktische Routine zur Sicherstellung der Behandlungsqualität. Die Förderung kontinuierlicher Fortbildung, Spezialisierung und klinischer Erfahrung ist zentrales Qualitätsziel und wirkt dem Fachkräftemangel entgegen.
6. Nachhaltiger und wirtschaftlicher Umgang mit Ressourcen im Gesundheitswesen
Ressourcen im Wiener Gesundheitswesen werden zielgerichtet, effizient, transparent und umwelt- sowie klimagerecht eingesetzt. Strukturelle Über- oder Unterversorgung wird vermieden. Ziel ist eine ausgewogene Leistungsplanung, die Versorgungsbedarf, medizinischen Nutzen und wirtschaftliche sowie ökologische Tragfähigkeit in Einklang bringt.
7. Sicherung und Weiterentwicklung der Versorgungsqualität im Gesundheitswesen
Die Qualitätsziele und Strukturvorgaben des Österreichischen Strukturplans Gesundheit (ÖSG) sowie der Zielsteuerung Gesundheit werden auf Landesebene konsequent umgesetzt. Qualitätssicherung, Ergebnisqualität und Patientenorientierung sind integraler Bestandteil der Versorgung und Grundlage der Versorgungssteuerung.
8. Umsetzung des Stufenmodells: „Digital vor ambulant vor stationär“
Digital unterstützte Versorgungslösungen (Telemedizin, eHealth, digitales Selbstmanagement) werden gezielt gefördert und als erstes Interventionsniveau etabliert. Ein digital gut organisiertes Gesundheitswesen bringt spürbare Verbesserungen für Patient*innen und Mitarbeiter*innen – durch einfachere Abläufe, besseren Informationsfluss und mehr Zeit für medizinische, pflegerische und therapeutische Betreuung. Die Versorgung wird im Sinne des Ressourcenvorrangs zunächst ambulant, nur bei Bedarf stationär durchgeführt. Ziel ist ein strukturierter, abgestufter Leistungszugang, der dem Stand der Technik und medizinischen Notwendigkeiten entspricht.
9. Gestaltung eines vernetzten, sektorenübergreifenden Gesundheitssystems
Die Versorgungssektoren in Wien – ambulant, stationär, digital – aber auch sozial, werden kooperativ und patientenorientiert verzahnt. Dafür benötigt es für Patient*innen Orientierungspfade entlang moderner Behandlungsstrukturen, die erkennbar, transparent und nachvollziehbar sein müssen. Datengetriebene Steuerung, gemeinsame Planung und einheitliche Dokumentation sichern eine koordinierte Patient*innenreise über alle Ebenen hinweg und ermöglichen eine Gesundheitsplanung, welche sich an der Entwicklung der Stadt orientiert.
10. Sicherstellung der Wirtschaftlichkeit und Finanzierbarkeit des Wiener Gesundheitssystems
Alle Leistungen im Wiener Gesundheitssystem sollen nachhaltig finanzierbar und betriebswirtschaftlich vertretbar sein. Ziel ist eine klare Prioritätensetzung im Sinne von Nutzen, Dringlichkeit und Versorgungspflicht, unter Berücksichtigung limitierter öffentlicher Mittel.
11. Berücksichtigung der besonderen Anforderungen Wiens
Wien trägt durch seine Sonderrolle als urbanes Zentrum, Gesundheits-Hub, Bildungsstandort sowie durch das hohe Aufkommen an Gastpatient*innen und Pendler*innen besondere Versorgungsverantwortung. Diese Besonderheiten fließen transparent in Planung, Steuerung und Finanzierung systematisch ein.
Weiterführende Informationen
- 10 Jahre Gesundheitsziele Wien 2025: zum Bericht